AÜG: Es bleibt holprig 

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Top oder Flop? Das neue Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) ist im Markt angekommen. Wie geht die Wirtschaft mit Equal Pay und Höchstüberlassungsdauer um? Beim jährlichen Round Table der Personalwirtschaft berichten neun Personaldienstleister aus der Praxis und diskutieren die Folgen.

Als großen Wurf feierte die ehemalige Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles die von ihr auf den Weg gebrachte Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) im April 2017. Das Lohn- Gap zur Stammbelegschaft soll mit Equal Pay ab dem neunten Monat geschlossen und der Übernahmewille der Entleihbetriebe durch eine verringerte Höchstüberlassungsdauer angeheizt werden. Was ist heute aus dem Prestigeobjekt geworden?

Geschätzt 40 bis 50 Prozent der Zeitarbeitnehmer sind mit einem Branchenzuschlagstarifvertrag ausgestattet. Ebenso gibt es viele entleihende Unternehmen, für die Equal Pay auf Grund der Qualifikationsstruktur der Arbeitnehmer nie ein Problem darstellte, sie haben immer schon höher entlohnt – für den Vorteil der Flexibilität. Doch was ist mit denjenigen, die nicht von Branchenzuschlägen profitieren und nur den Mindestlohn erhalten?

Die Rechnung ohne die Wirtschaft gemacht

Diese Gruppe der Zeitarbeitnehmer hat häufig das Nachsehen. „Der Kunde bezahlt nicht“, lautet eine mehrfach wiederholte Aussage der Marktteilnehmer. Die Dienstleister erleben Abmeldungen, da der Kunde nach neun Monaten die flexible Arbeitskraft nicht höher entlohnen kann oder will. Diejenigen, die zu günstigen Löhnen arbeiten und vom AÜG profitieren sollten, haben keinen Vorteil. Für den Zeitarbeitnehmer bedeutet dies: Er muss sich die Neun-Monatsfrist und die damit einhergehende Gehaltssteigerung „neu erarbeiten“. Bei Zeitarbeitnehmern im gelernten Bereich entscheiden sich viele Kunden dafür, Equal Pay zu zahlen. Ihnen ist die Flexibilität wichtiger als der vermehrte Kostenaufwand. Für die anderen gilt: Die Reform geht zu Lasten der Arbeitnehmer, die eigentlich geschützt werden sollten.

Equal Pay – ein administratives Monstrum

Dabei sind die höheren Kosten nicht immer der Hauptgrund für die Abmeldung: Es ist der große administrative Aufwand, der Personaler am meisten stört. Einzelne Kundengruppen planen, die Arbeitnehmerüberlassung zurückzufahren, da ihnen die rechtskonforme Umsetzung von Equal Pay zu kompliziert ist. Die Personaldienstleister fordern zur Verbesserung der Situation nach wie vor eine klare gesetzliche Definition von Equal Pay. Sinnvolle Kriterien seien Grundlohn, Leistungsprämie, Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld. Stattdessen müssen sich Ent- und Verleiher mit anteiliger Gewinnbeteiligung, vermögenswirksamer Leistung und anderem beschäftigen.

Quelle: AÜG: Es bleibt holprig – Personalwirtschaft.de

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