Bewerbung: Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse im Lebenslauf?

Darf eine Verkäuferin in der Bäckerei den Kunden erzählen, dass sie eine Maus in der Backstube gesehen hat?

Antwort: Nein. Eine Maus ist zwar kein Betriebsgeheimnis, aber hier gilt die sogenannte Rücksichtnahmepflicht: Die Verkäuferin muss zuerst ihrem Chef Bescheid sagen, und der muss sich um eine Mausefalle kümmern. Erst wenn der Bäcker nichts unternimmt, darf sich die Verkäuferin an Dritte wenden.

Unsere Kandidaten gehen automatisch davon aus, dass wir mit ihren Daten sorgsam umgehen. Das ist für uns selbstverständlich. Nicht nur aus datenschutzrechtlichen Gründen. Im Vertrieb sollte man immer darüber nachdenken, welche Daten man zu welchem Anlass und Zeitpunkt preisgibt. Alle Karten gleich aufzudecken, wäre äußerst ungeschickt für den weiteren Verhandlungsverlauf. Auch bei der Veröffentlichung von Stellenangeboten nennen wir selbstverständlich nur die Informationen, die zum aktuellen Zeitpunkt benötigt werden.

Nun zum eigentlichen Thema. Bei den vielen Bewerbungsunterlagen, die wir lesen und prüfen, kommt es schon oft vor, dass Unternehmenszahlen genannt werden, die zu den Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen gezählt werden können.

Bei der Recherche im Internet findet man viele Informationen, denen man aber nicht ungeprüft vertrauen sollte. Die Verletzung des Geschäfts- und Betriebsgeheimnisses kann sehr teuer werden.

Eine Definition von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen ergibt sich aus dem Gesetz zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen (GeschGehG), welches seit dem Frühjahr 2019 in Kraft ist.  Als Mitarbeiter unterliegen Sie – auch ohne Nennung im Arbeitsvertrag –  der Verschwiegenheitspflicht nach §203 Strafgesetzbuch.

Allgemein wird empfohlen, besonders vorsichtig mit Unternehmensdaten umzugehen und im besten Fall keine Eurowerte anzugeben.

Als Lösung könnte man betrachten:

  • Verzichten Sie komplett auf Zahlen und verwenden Formulierungen wie etwa:
    Durch die Prozessoptimierung wurde die Produktionsgeschwindigkeit nahezu verdoppelt.
  •  formulieren Sie so konkret wie möglich und bleiben Sie so abstrakt wie nötig. (Betriebsgeheimnis wahren: Prozent- statt Euro-Zahlen) Durch solche Formulierungen bleibt auch das Betriebsgeheimnis der Produktionskosten gewahrt.
  • einer andere Möglichkeit wäre es, „Erfolge“ dezent im Anschreiben zu erwähnen. Oft hören wir,  dass Unternehmenszahlen ja auch veröffentlicht werden. Das bedeutet aber nicht, dass diese Zahlen für alle frei zur Verwendung zur Verfügung stehen. Und sofern Unternehmenszahlen in Registern veröffentlicht werden müssen, ist darauf zu achten, dass die Veröffentlichung schon vorgenommen wurde und rechtskräftig ist.
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Im Zweifel hilft es, sich durch einen Rechtsanwalt beraten zu lassen.

P.S:
Ihr potenzieller neuer Arbeitgeber wird übrigens selbst dann skeptisch reagieren, wenn ihm die Zahlen aus Anschreiben oder Lebenslauf einen Vorteil verschaffen. Denn er muss damit rechnen, dass Sie im Falle eines Ausscheidens und einer erneuten Bewerbung Betriebsgeheimnisse genauso offenherzig weitergeben, wie Sie es aktuell tun. Aus diesem Grund unterliegen Mitarbeiter auch der Verschwiegenheitspflicht nach §203 Strafgesetzbuch.