China: Wie Mitarbeiter sich gegen die 72-Stunden-Woche wehren

China: Wie Mitarbeiter sich gegen die 72-Stunden-Woche wehren

Von neun Uhr morgens bis neun Uhr abends – und das sechs Tage in der Woche: 996 – so lässt sich eine normale Arbeitswoche in Chinas Tech-Firmen zusammenfassen. Dabei verstoßen diese enormen Arbeitszeiten auch in China gegen das Gesetz. Geschuftet wird trotzdem – bis jetzt. Denn es mehren sich Proteste gegen diese Form der Ausbeutung.

Über die Programmiererseite GitHub, auf der sich die Tech-Experten austauschen können, ging die Protestwelle “996.ICU” los. Dahinter verbirgt sich der Hinweis auf das ausbeuterische Arbeitssystem 996 und die Abkürzung IUC für Intensive Care Utility, also die Intensivstation. Der Hilferuf hinter dem kryptischen Kürzel: Wer so unmenschlich viel schuftet, riskiert sein Leben.

Japans Arbeitsmoral

ÜBERSTUNDEN

Japan – eine Nation schuftet sich zu Tode

Eine japanische Journalistin stirbt an Überarbeitung – sie hatte in einem Monat 159 Überstunden angesammelt. Ihr Tod ist kein trauriger Einzelfall. Überstunden, Schlafmangel und wenig Urlaub sind Teil von Japans Arbeitsphilosophie.

Von Katharina Grimm

Alibaba, Huawei und Co. setzen auf 72-Stunden-Woche

Bei den großen Tech-Bossen kommen diese Proteste gegen die Arbeitszeit gar nicht gut an. Jack Ma, Chef von Alibaba – einer der Firmen, die ihre Mitarbeiter deutlich mehr schuften lassen – verteidigt das System. Das 996 sei ein “großer Segen”, den Mitarbeiter als Ehre und nicht als Bürde begreifen sollen. “Wenn du bei Alibaba arbeiten willst, solltest du zwölf Stunden arbeiten können. Wenn nicht: Warum bist du dann zu Alibaba gekommen? Wir brauchen nicht diejenigen, die bequem acht Stunden arbeiten wollen”, schrieb Ma im Firmen-Chat.

Überstunden

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Überstunden – und trotzdem glücklich: Wann wir gerne mehr arbeiten

Auch der Smartphone-Riese Huawei soll eine aggressive “Wolfskultur” haben. Richard Liu soll ein großer Freund der 996-Arbeitszeit sein, berichtet der “Guardian“. Liu hat neben Huawei auch JD.com, einen Alibaba-Konkurrenten, gegründet. In einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung erinnert sich Liu, dass er in der Gründungszeit immer nur zwei Stunden geschlafen habe, um den Kunden einen 24-Stunden-Service anbieten zu können. Seitdem sei die Zahl der Bummler und Arbeitsvermeider in seiner Firma gewachsen. “Wenn das so weitergeht, hat JD keine Zukunft mehr und die Firma wird ohne Erbarmen vom Markt gefegt. Diese Rumtreiber sind nicht meine Brüder”, so polterte Liu.

Quelle: China: Wie Mitarbeiter sich gegen die 72-Stunden-Woche wehren | STERN.de

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