Gendergerechte Stellenanzeigen – “Stern und Unterstrich sind gar nicht sinnvoll” 

Gendergerechte Stellenanzeigen – “Stern und Unterstrich sind gar nicht sinnvoll” 

Die Psychologin Bettina Hannover hat untersucht, inwiefern sich männliche und weibliche Jobtitel auf die Berufswahl von Kindern auswirken.

SZ: Frau Hannover, was ist falsch an dem Begriff Ingenieur?

Bettina Hannover: Der Begriff ist nicht falsch, aber er adressiert nur die Hälfte der Menschen, die sich möglicherweise für den Beruf interessieren, nämlich männliche Personen. Menschen lernen zwar in ihrer sprachlichen Sozialisation, dass das generische Maskulinum Gruppen von Personen meint, zu denen auch Frauen gehören können. Aber wenn man sich kognitionspsychologische Untersuchungen anschaut, bei denen man beispielsweise anhand der Reaktionszeiten betrachtet hat, wie Menschen mit einer solchen Information umgehen, dann zeigt sich, dass sie eine komplexe kognitive Operation vornehmen müssen, um sich tatsächlich beide Geschlechtergruppen vorzustellen.

Was bedeutet das für Berufsbezeichnungen in Stellenanzeigen?

Arbeitgebende kommunizieren durch Stellenbezeichnungen auch Erwartungen. Eine Stellenanzeige, in der nur das generische Maskulinum verwendet wird – das ist ja nicht mehr gestattet seit 2006 -, würde ganz klar signalisieren: Wir denken eher an männliche Personen. Dadurch fühlt sich eine Frau, die das liest, weniger angesprochen.

Inwiefern beeinflussen Berufsbezeichnungen die Berufswahl?

Das haben wir bei Grundschulkindern untersucht. Die Lehrerinnen haben den Kindern bestimmte Berufe vorgestellt und dabei entweder das generische Maskulinum verwendet, haben also beispielsweise gesagt: “Ingenieure sind Leute, die Autos erfinden und bauen.” Oder sie haben gesagt: “Ingenieure und Ingenieurinnen sind Leute, die Autos erfinden und bauen.” Danach haben wir die Kinder gefragt, ob sie sich selber vorstellen könnten, einen solchen Beruf einmal zu ergreifen und ob sie glauben würden, in einem solchen Beruf erfolgreich sein zu können. Es zeigte sich, dass die weibliche Form bei den Mädchen dazu führte, dass sie häufiger angaben, einen solchen Beruf selber ergreifen zu wollen und auch zuversichtlicher waren, dass sie darin erfolgreich sein könnten.

Fühlen sich Jungen und Männer umgekehrt von der weiblichen Form abgeschreckt?

Tatsächlich ist das nicht der Fall. Untersuchungen zeigen eigentlich immer nur Effekte auf Mädchen und Frauen. Es sei denn, es geht um eine Domäne, in der Männer selber eine Minorität darstellen. Wenn für eine Tätigkeit in der Geburtshilfe in der Stellenausschreibung stünde: “Wir suchen eine Hebamme”, dann würde ein Mann seine Chancen für sehr viel geringer halten, als wenn formuliert würde: “Wir suchen einen qualifizierten Mann/eine qualifizierte Frau, der/die in der Geburtshilfe folgende Aufgaben übernimmt.” Arbeitgebende kommunizieren mit Stellentiteln, welche Personen sie sich vorstellen, und beeinflussen damit die Erwartungen der Bewerberinnen und Bewerber.

Um den vollständigen Text zu lesen, folgen Sie bitte dem Link…..

Quelle: Gendergerechte Stellenanzeigen – “Stern und Unterstrich sind gar nicht sinnvoll” – Karriere – Süddeutsche.de

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