Hirnforscher Wolf Singer über Lesen und Digitalisierung

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Ich höre Hörbücher, aber ich lese grundsätzlich keine E-Bücher. Auch schon, weil mir der Kontrast in der Sonne, wo ich gern lese, zu schlecht ist. Und wenn ich dann noch die Sonnenbrille aufsetzen muss, habe ich fast gar nichts mehr vom Lesen.Was passiert beim Lesen im Gehirn?Zuallererst aktivieren Sie Ihr visuelles System, weil Sie die Symbole erkennen müssen. Es gibt ein besonderes Areal in der Hirnrinde, das bei uns Menschen besonders stark ausgeprägt ist. Das können wir nutzen, um Grafeme zu erkennen. Aus Buchstabenfolgen Worte zu machen ist ein besonderes Problem. Wenn in dieser „word form area“ eine Lösung gefunden worden ist, wird diese Erregung weitergeleitet in die sprachverarbeitenden Systeme. Die sind primär angelegt im akustischen Bereich, weil die erste Verständigung auditiv war. Das Sprachnetzwerk geht von der Hörrinde aus. Von dort breitet sich die Information in weiter vorne gelagerte Hirnstrukturen aus, wo die motorischen Programme erarbeitet werden, um die Sprache auch aktiv zu nutzen und sich zu verständigen. Es handelt sich um ein weit verteiltes Netzwerk, das anders, als man früher dachte, nicht nur die sogenannte sprechende Hirnhälfte betrifft, sondern beide Hirnhälften. Es gibt spiegelsymmetrische Strukturen in den beiden Hemisphären, die sich alle an der Verarbeitung und Interpretation von Sprache beteiligen.

Quelle: Hirnforscher Wolf Singer über Lesen und Digitalisierung

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