Schwulst und Schleim: lass das sein!

Schwulst und Schleim: lass das sein!

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Klar, das Anschreiben für eine Bewerbung ist eine etwas überförmliche Sache. Aber das heißt nicht, dass man nur in Ultrahöflichkeitsformeln und Superlativen schreibt. An den Haaren Herbeigezogenes und Angeber-Infos solltest du konsequent weglassen. Unsere Beispiele stammen aus echten Bewerbungen – leicht verfremdet und anonymisiert.

Anschreiben zu formulieren will gelernt sein

Schleim und Geschwurbel, Doppelungen und Angebereien – ein gutes Anschreiben zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass du all das weglässt. Und so geht’s:

An den Haaren herbeigezogene Einstiegssätze

Stelle keine weit hergeholten Kausalzusammenhänge her:

“Durch mein Elternhaus kam ich sehr früh mit Computern in Berührung und habe daher kaum einen Trend im Onlinebereich der letzten zehn Jahre verpasst.”

Wow, “früh mit Computern in Berührung”! Ende der Achtziger wäre das vielleicht noch etwas Besonderes gewesen. Heute ist es das nicht mehr, und es taugt schon gar nicht als Herleitung dafür, dass man für eine Stelle als Kampagnen-Manager/IT-Consultant/Online-Redakteur geeignet ist.

“Durch meine laufende Tätigkeit als Marketing-Assistentin sind mir der gute Ruf Ihres Unternehmens sowie seine vielseitigen Aufgabengebiete bekannt.”
(Bewerberin, die sich bei einem Nicht-Marketingunternehmen bewirbt)

Wieso weiß man als Marketing-Assistentin automatisch etwas über den Ruf eines Unternehmens? Wenn du dich bei der Konkurrenz deines bisherigen Arbeitgebers bewirbst, kann man diesen Einstieg vielleicht noch nachvollziehen. Aber auch dann klingt es nach einer eher erzwungenen Herleitung.

Spezialistenwissen, das keinen interessiert

Gib nicht gleich im Einstiegssatz zu erkennen, dass du eigentlich nicht auf die Stelle passt: 

“Nach dem erfolgreichen Abschluss meines Ägyptologiestudiums an der Universität Stockholm lebte ich acht Monate in Syrien, um meine in Deutschland erworbenen Arabischkenntnisse praktisch anzuwenden und in Sprachkursen zu erweitern.”
(Bewerber für Online-Redaktion)

Wenn du dich für eine Stelle beim Ägyptischen Museum oder als Arabisch-Dolmetscher bewirbst, ist so ein Einstieg natürlich schön. Ansonsten gilt: Widerstehe der Versuchung, mit exotischen Kenntnissen oder tollen Auslandsaufenthalten angeben zu wollen, wenn diese nichts mit der Stelle zu tun haben – schon gar nicht im ersten Satz!

Schwulst und Schleim: Erstick’s im Keim

“Ein Projekt wie gesichterbuch.de übt aus vielerlei Blickwinkeln ein große Anziehungskraft aus: Das jederzeit zugängliche Format einer Onlineplattform stellt eine fortschrittliche Methode des bequemen und einfachen Informationszugangs dar, die in unserem schnelllebigen Zeitalter fast schon unabdingbar ist.”

Das heißt nichts anderes als:

“Die Online-Plattform gesichterbuch.de ist für viele attraktiv, denn darüber kommt man jederzeit bequem an Informationen.”

Wieso nicht gleich so? Bei Verweisen auf “unser schnelllebiges Zeitalter” oder “die globalisierte Welt” schrillt der Phrasen-Alarm.

Nonsense und Doppel-Moppel

“Die Super-Duper AG interessiert mich besonders, weil sie ein umfassend agierendes Unternehmen ist, das sich auf dem agilen Markt der Karriere-Netzwerke erfolgreich bewährt.”

Was ist denn ein “umfassend agierendes Unternehmen”? Und kann man sich auch nicht-erfolgreich bewähren? Muss das “agile” vor den “Markt”? Adjektive und Adverbien sind nicht zur Dekoration da!

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Quelle: Bewerbungsschreiben überzeugend schreiben | e-fellows.net

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